Rechte Umtriebe bei ÖVP-Vizebürgermeister – Offener Brief von Jungen Grünen & JUSOS

Sehr geehrter Herr Vizebürgermeister Preuner!

Mit einigem Befremden verfolgen wir die jüngsten Rechtsaußen-Entgleisungen Ihres Büroleiters Bernd Huber, die vom Blogger Bernhard Jenny in den letzten Tagen öffentlich gemacht wurden (siehe hier und hier). In der ewigen Kriegsverlierer-Postille „Kameradschaft aktiv“ des Kameradschaftsbundes (dessen Schriftführer Huber ist) schwadroniert er in seiner Kolumne „Auf Horchposten“ wieder einmal über sein krudes Welt- und vor allem Geschichtsverständnis.

Nachdem Huber bereits vor über zehn Jahren bei einem Vortrag des rechtsextremen, revisionistischen russischen Historikers Viktor Suworow an der Uni Salzburg in Bundesheer-Uniform protestierende Studierende niederprügelte (ein eindrückliches Videodokument dazu findet sich hier), wurde er auch 2011 und 2012 auffällig. Nachdem Huber 2011 glaubte, das Andenken an den Nazi-Kriegsverbrecher Hans-Joachim („Hajo“) Hermann ehren zu müssen, folgte zwar eine halbherzige Entschuldigung an das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW), das sollte aber nicht sein letzter Ausflug in den braunen Sumpf gewesen sein. 2012 wurde bekannt, dass Huber 1997 gemeinsam mit Herbert Hodurek ein Buch mit dem Titel „Ein kleines Edelweiß“ herausgegeben hat. Hinter dem harmlosen Titel versteckt sich eine Huldigung an den wohl brutalsten Nazi-General, Feldmarschall Ferdinand Schörner (auch „der blutigen Ferdinand“ genannt). Huber sagt dazu, dass „es sich bei den Soldaten der Wehrmacht überwiegend um hervorragend ausgebildete, von einer hohen Moral geleitete Soldaten handelt, die abseits der Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes standen, daher in Sieg und Niederlage ihre Ehre zu wahren wussten und die die schäbige und herabsetzende Behandlung der heutigen Zeit, die letztlich eine zeitgeistorientierte Geschichtsfälschung zur Folge hat, in keinster Weise verdienen“.

Sie werden jetzt einwenden, das seien alte Hüte (auch wenn sich dabei die Frage stellt, warum Sie diese Auswüchse bis jetzt geduldet haben). Aber die Serie an ungeheuerlichen Äußerungen reißt nicht ab. Auch 2013 und 2014 legt Bernd Huber in seiner Kolumne nach. So zitiert er einen Text des deutsch-türkischen Autors und Verbalextremisten Akif Pirinçci, in dem von einem schleichenden Genozid von Muslimen an der deutschen Bevölkerung sowie von der „sogenannten Terrorzelle NSU“ gesprochen wird. Unfassbar, denkt man da, aber damit noch nicht genug. Er muss auch wieder einmal die negative Darstellung von Wehrmachtssoldaten in den Medien bedauern: „Die Gleichsetzung von Soldaten mit Mördern, vor allem dann, wenn es um die ehemaligen Soldaten der Deutschen Wehrmacht geht, ist leider eine gängige Darstellung in der heutigen Medienlandschaft” (Kameradschaft Aktiv 2013/1112). Die Verdienste der Nazi-Soldaten sollten, so Huber, ganz im Gegenteil nicht vergessen, sondern gelobt werden: „Obwohl die (…) gezeigten soldatischen Leistungen der deutschen Fallschirm- und Gebirgsjäger und anderer deutscher Verbände (…) über jeden Zweifel erhaben sind…“. Als Draufgabe wird dann in guter geschichtsrevisionistischer Manier gefordert, den Wehrmachts-Offizier Julius Schlegel, Kommandeur der Instandsetzungsabteilung der Fallschirm-Panzer-Division „Hermann Göring“, offiziell durch die Republik zu würdigen. Schlegel half im Februar 1944 an der so genannten „Gustav-Linie“ mit, die anrückenden Truppen der Alliierten abzuwehren. Dabei wurden aus dem Kloster Monte Cassino zahlreiche Kunstschätze vor der Zerstörung gerettet, mindestens 13 dieser Meisterwerke wurden dabei von den Nazis aber geraubt und nach Kriegsende in einem Stollen des Salzbergwerks Altaussee gefunden, wo Hitler und Göring ihre Kunstsammlungen untergebracht hatten.

Bernd Hubers „Auffälligkeiten“ im Lauf der Jahre reichen also von tätlicher Gewalt, über die Verharmlosung von Nazi-Kriegsverbrechern bis zur Diskreditierung von türkischen Muslimen. Einige genannte Entgleisungen sind seit Jahren öffentlich bekannt und dürften auch Ihnen nicht entgangen sein. Auch über die jüngsten Entgleisungen sind Sie wahrscheinlich informiert. Zahlreiche kritische Anfragen und Kommentare wurden einfach von Ihrer Facebook-Seite gelöscht. Wir fragen Sie daher auf diesem Wege: Herr Preuner, wie halten Sie’s mit den notorisch rechtsextremen Äußerungen Ihres Büroleiters? Teilen Sie Hubers Welt- und Geschichtsbild? Wenn nein, haben diese Ansichten trotzdem Platz in der ÖVP? Bitte erklären Sie sich!

Hochachtungsvoll,

Simon Hofbauer, Jugendsprecher der Grünen, Junge Grüne Salzburg

Florian Koch, JUSOS-Landesvorsitzender

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