Salzburg – Stadt der Hetze gegen BettlerInnen?

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Betteln hat viele Formen: Von PolitikerInnen, die im Wahlkampf um Stimmen werben, über Spendensammler, die für eine gute Sache von Haus zu Haus gehen, bis zu UmweltaktivistInnen, die auf der Straße Unterstützung sammeln. Das Betteln ist nur eine weitere Handlung, bei der Personen ihre Mitmenschen um Unterstützung bitten.

Und auf solche Unterstützung sind viele angewiesen. Neben ÖsterreicherInnen, die durch das sozialstaatliche Netz fallen und auf Betteln angewiesen sind, gibt es in Salzburg auch zugreiste BettlerInnen. Diese Notreisenden kommen aus ihren Herkunftsorten aus Ländern wie der Slowakei, Ungarn oder Rumänien, um für einige Wochen oder Monate Gelegenheitsarbeiten nachzugehen oder zu betteln. Damit versuchen sie, der krassen Armut, Arbeitslosigkeit, Diskriminierung und allgemeinen Perspektivenlosigkeit zumindest vorübergehend zu entgehen. Der Weg nach Westeuropa auf der Suche nach Arbeit oder einem minimalen Einkommen durch Betteln ist für viele der letzte Ausweg.

Von manchen Parteien und Medien wird hartnäckig das Bild vermittelt, BettlerInnen würden nicht für sich und ihre Familie um Geld bitten, sondern dieses an ausbeuterische und reiche Hintermänner abliefern müssen. Die oft behauptete Existenz krimineller Banden konnte bislang aber weder von der Polizei, noch von der Wissenschaft nachgewiesen werden. Denn „organisiert“ ist nicht gleich „kriminell“. Dass sich Menschen in Not in der Familie oder in der Nachbarschaft zusammentun, ist nachvollziehbar und sinnvoll – aber etwas komplett anderes als eine kriminelle Bande.

Aber warum hetzten ÖVP, FPÖ und Team Stronach eigentlich gegen BettlerInnen? Vor allem weil sie damit die Unsicherheiten und Ängste der Menschen auf die Schwächsten unserer Gesellschaft umlenken. Sie benennen Sündenböcke, um keine kritischen Fragen stellen zu müssen – z.B. nach der Kluft zwischen Arm und Reich oder der niedrigen Besteuerung von Reichtum. Aber dass z.B. 17% der Salzburger Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben, ist keine Schuld der BettlerInnen, sondern ein Versäumnis der Politik. Deshalb brauchen wir eine kritische Diskussion über Sozialpolitik und Solidarität statt Hetze.

Links:

„Betteln erlaubt. Geben erlaubt.“ Runder Tisch Menschenrechte Stadt Salzburg

„Notreisende und BettelmigrantInnen in Salzburg. Erhebung der Lebens- und Bedarfslagen“ Runder Tisch Menschenrechte Stadt Salzburg

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